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Jörg Willner, Wegewart in Mühlhausen
Der Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda führt durch viele wunderschöne Waldgebiete. Jörg Willner ist Förster und als Wegewart verantwortlich für den Bereich des Klosterpfades von Struth nach Mühlhausen.
Von Berufs wegen ist er mit einem besonderen Blick im Wald unterwegs. Er kennt die Stimmen der Vögel, die Lebensgewohnheiten von Fuchs, Eichhörnchen und Wildschwein – und eine Vielzahl von Pflanzen, sogar ohne „flora incognita“ zu konsultieren.
Jörg Willner weiß, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt, ist vertraut mit dem Werden und Vergehen, vertraut mit dem Rhythmus der Jahreszeiten und der heilsamen Wirkung des Waldes für den Menschen und das Ökosystem.
Ein Drittel unseres Landes ist bewaldet.
Gern ist er im Wald unterwegs, genießt die Vielfalt der Arten, Pilze, Blumen, Insekten, Moose und Farne. Wahrscheinlich kennt er alle Schmetterlinge mit Vornamen.
Spannende Geschichten kann er erzählen von den Bäumen, die miteinander kommunizieren und über Kronen und Wurzeln ein Netzwerk bilden.
So viel „Staune-Stoff“ im Wald. So viele Einladungen zum Genießen.
Sein Wissen und seine Entdeckungen möchte er mit vielen Waldbesuchern teilen, indem er Menschen begleitet und schwärmt vom Wunder der Natur.
Im Psalm 96,12 heißt es: „Jauchzen sollen alle Bäume des Waldes“. Jörg Willner erlebt vermehrt auch das Seufzen der Bäume. Der Wald leidet. Ein Fünftel seiner Fläche ist abgestorben. Die Verletzlichkeit der Natur wird sichtbar! Da sind ein großes Erschrecken und eine große Traurigkeit über die Folgen eines zu kurz gedachten Wirtschaftens. Und nun?
"Der Wald
ist meine Kirche!"
Nachhaltiges Handeln ist wichtig: Die Geschenke der Natur dürfen nicht nur gebraucht werden wie Rohstofflager, aus denen Menschen herausholen, was möglich ist und was den größten Gewinn bringt, ohne an die langfristig dramatischen Folgen zu denken.
Jemand hat gesagt: „Der Wald braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht den Wald!“
Er braucht den Wald als größten und wichtigsten Faktor für die Bewahrung der Schöpfung, für gute Luft und fruchtbaren Boden, damit die unersetzlichen Kleinstlebewesen sich wohlfühlen können.
So mögen Pilger auf dem Wege spüren, dass alle Schöpfung miteinander verwoben ist – und Bäume nicht nur Produktionsorte und Lieferanten für den Markt sind! Und dass nicht der Mensch die Gesetze des Lebens bestimmt – sondern umgekehrt.
Das gilt nicht nur für den Wald! Wir alle sind ein Teil von allem.
Jörg Willner sagt: „Der Wald ist meine Kirche!“
Da ist die Verbundenheit mit der Schöpfung und dem Schöpfer, das Danken und Staunen und das Bewusstsein dafür, dass nötiger denn je ein verantwortliches Handeln gefragt ist.
Ihm ist wichtig, im kleinen, persönlichen Kreis Zeichen zu setzen für einen Lebensstil, der zukunftsfähig ist. Bescheidenheit und maßvolles Handeln, ein kleines Auto fahren, soweit es geht, mit dem Fahrrad unterwegs sein und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen, sensibilisieren für die Dringlichkeit, umzudenken und neue Prioritäten zu setzen. Es ist ein Geschenk, mit dem Förster im Wald unterwegs zu sein, in seine „Sehschule“ zu gehen.
Heidrun Kuhlmann
