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Landesbischof Ralf Meister, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers
„Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2)
Dieser Spruch steht über der Eingangstür zum Arbeitszimmer von Landesbischof Ralf Meister in Hannover. Eine wunderbare Verbindung zum Pilgern.
Der Landesbischof ist gerne pilgernd unterwegs, soweit die Zeit dafür reicht. Unterwegs ohne das eng getaktete Pflichtprogramm, die Gedanken nicht beim Reflektieren von dem, was gestern war, nicht beim Planen für morgen, schnellstmöglich von einem Termin zum nächsten. Auf Pilgerwegen kann er entschleunigen, ist ganz im Hier und Jetzt, offen für das, was der Moment bereithält. Er genießt die Landschaft, die Natur mit dem, was summt und singt und staunen lässt. Der Kopf wird frei! Das ist eine wohltuende Erfahrung für einen Mann, der viel zu bedenken hat.
Landesbischof Ralf Meister ist gern mit anderen unterwegs. Damals, 2019, beim Projekt „Freiräume schaffen“, ist er mit Menschen gegangen, die sich in Kirchengemeinden engagieren. Selten sind Menschen so offen für Gespräche über Gott und die Welt wie beim Gehen. Da ist die Freude über das, was verbindet, da mag einer sagen, wo der Schuh drückt, beim Namen nennen, was meistens ungesagt bleibt, Fragen stellen, die schon lange im Inneren rumoren. Der Bischof ist ein aufmerksamer Zuhörer, ein feinsinniger Weggefährte mit viel Empathie.
Seit einigen Jahren spricht er Personen des öffentlichen Lebens an, die er sehr schätzt. Jeweils zwei oder drei lädt er ein, eine Pilgererfahrung mit ihm zu teilen. Darauf kommt in der Regel ein positives Echo von Männern, die ein wichtiges Amt bekleiden, an ihrem Platz die Welt gestalten, eine große Verantwortung tragen. Männer aus der Politik, aus Wissenschaft und Wirtschaft, aus der Kirche und dem Bereich der Medien.
Gemeinsam unterwegs
Auf dem Weg, den sie gemeinsam gehen, spielen Hierarchien und Titel keine Rolle. Da sind alle gleich. Sie gehen ohne Öffentlichkeit, ohne Kameras – ohne, dass irgendwo darüber berichtet wird. Das Gespräch auf dem Weg tut gut. Sie schauen in eine Richtung. Das ist anders, als wenn sie sich gegenübersitzen. Beim Gehen kommt auch im Innern etwas in Bewegung. Das Gehen macht Menschen locker und offen.
Die Männer sprechen über die Chancen und Grenzen ihrer Ämter, über Freiheit und Druck, Vision und Wirklichkeit. Sie sprechen über das, was der Beruf, die Berufung mit ihnen macht - und mit ihren Familien. Die schöne Landschaft, das Schwitzen und müde Füße verbinden.
Am Abend, wenn sie im Kloster Bursfelde am Gebet teilnehmen, ist etwas zu spüren, was den eigenen Alltag, die eigenen Möglichkeiten übersteigt. Es ist etwas zu spüren vom Aufgehobensein im großen Ganzen des Lebens. Wenn die Männer sich verabschieden, ist da ein neues Maß an Vertrautheit. Der gemeinsame Weg hat sie miteinander verbunden.
Gemeinsam unterwegs sein. Landesbischof Meister kann sich die Zukunft der Kirche so vorstellen: Menschen bleiben nicht allein mit den Geschichten ihres Lebens, mit ihrem Kummer und ihrer Sehnsucht. Sie sind zusammen auf dem Weg. Sie wissen voneinander. Sie teilen miteinander, was das Leben ihnen schenkt und zumutet.
Es wächst ein hohes Maß an Vertrauen – bei aller Verschiedenheit.
Und der ewige Gott geht an ihrer Seite. Er schenkt Freiheit, Versöhnung, Lebensregeln, Liebe und Zukunft auf den Wegen, die Menschen zu gehen haben.
Heidrun Kuhlmann
