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Christine von Klencke, Pilgerbeauftragte in Hämelschenburg
Mit einem feierlichen Gottesdienst im Hamelner Münster wurde der Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda eröffnet. Das war am 6. April 2005. Eine fröhliche, erwartungsvolle Gemeinschaft machte sich auf den Weg zum Etappenziel Hämelschenburg, einem der bedeutendsten und schönsten Bauwerke der Weserrenaissance. Es gab ein Fest zu feiern: Eine alte christliche Tradition, ein in der evangelischen Kirche lange verdrängtes Thema wurde mit neuem Leben gefüllt: das Pilgern. Sich auf das Unterwegs-Sein des Lebens einlassen. Mit all dem, was es bereithält, und mit der Sehnsucht, etwas zu finden, was über den eigenen Horizont und die eigene Kraft hinausgeht.
Die Hämelschenburg kennt die Tradition des Pilgerns seit dem Mittelalter. Es gibt dort die berühmte „Pilgerhalle“. Hier wurden Pilger und Bedürftige versorgt. Hier durften sie bleiben bei extremem Wetter, bei Schwäche und in der Nacht. Das Besondere war: Es gab eine Öffnung zur Küche, eine Art „Durchreiche“. Davor lag eine Konsole, an deren Seiten Steinbänke zur Rast einluden. Was muss das für ein Erlebnis gewesen sein, wenn aus der Schlossküche Essen und Trinken herausgereicht wurde, wenn die Pilger solch großzügige Gastfreundschaft erlebten! Links und rechts neben der Öffnung sind Jakobsmuscheln zu sehen. Sie sind das Symbol des Heiligen Jakobus, des Schutzpatrons der Pilger, dessen Grab in Santiago de Compostela das berühmte Ziel für christliche Pilger ist.
Schlossherrin Christine von Klencke freut sich darüber, dass Pilger auch heute an der Hämelschenburg einen guten Ort finden – für das, was sie im Inneren mitbringen und suchen. Gern zeigt sie die kleine Kapelle, die als eine der ersten evangelischen Kirchen in Deutschland gilt. Das ist ein Ort, an dem Menschen spüren, dass in diesem Raum gebetet wird, dass Menschen hier über Jahrhunderte getröstet, ermutigt, geheilt und gestärkt wurden.
Alte Tradition auf neuen Wegen
Begeistert erzählt Christine von Klencke von einer außergewöhnlich starken Frau in der Familiengeschichte: Anna von Holle, die Frau des Jürgen von Klencke, Mutter von 14 Kindern. 1623, während des 30-jährigen Krieges, als sie als Witwe allein für den Bau des jetzigen Schlosses verantwortlich war, kam die Armee des Feldherrn Tilly bedrohlich nah. Anna von Holle setzte sich auf ein Pferd und ritt Tilly mutig entgegen. Es ist kaum zu glauben: Sie handelte mit dem Feldherrn einen Schutzvertrag für das Schloss Hämelschenburg aus. Wir Heutigen fragen: Mit welcher Kraft ist sie geritten und hat das Wunder vollbracht, mit dem ansonsten unnachgiebigen Feldherrn zu verhandeln? Mit welcher Kraft? Mit welchem Vertrauen?
Am Brückentor, dem großen Eingangsportal des Schlosses, steht der Satz: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“
Die Familie von Klencke hat bis heute aus diesem Glauben gelebt. Gesegnet mit Wohlstand, übten sie ihren Glauben stets verantwortlich für das Gemeinwohl aus, geprägt von den Geboten des Lebens. Ihre kleine Kapelle schenkten sie 1652 der Kirchengemeinde.
Christine von Klencke erzählt, dass der Glaube an Jesus Christus sie stets begleitet und getragen hat. Sie sagt: „Die Kirche sind wir!“. Die Kirche ist nicht nur ein Gebäude oder eine Institution. Ihr ist es wichtig, Jesu Auftrag, ihm nachzufolgen und den Glauben weiterzugeben, in die Gesellschaft hineinzutragen. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen, auch auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda.
Bis heute sind Pilger in Hämelschenburg herzlich willkommen. Die alte Tradition ist nach wie vor lebendig. Im Café werden sie gut versorgt und betreut. Es gibt Begegnungen, die lange nachklingen. Christine von Klencke erinnert sich gern daran!
Heidrun Kuhlmann
