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Gabriele Kassenbrock, Pilgerbegleiterin
Es ist ein besonderer Ort:
In der Lagerkapelle vom ehemaligen Grenzdurchgangslager Friedland wird die kleine Pilgergruppe mit einer Andacht begrüßt. Wie viele Menschen haben hier schon gesessen in einer „Grenzsituation“ ihres Lebens. Spätaussiedler, Flüchtlinge, Asylbewerber. Menschen in großer Not, auf der Suche nach einer besseren Zukunft!
Es ist ein besonderer Ort:
Hier in der Nähe war ehemals die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. In der Schutzhütte unmittelbar neben dem alten Grenzverlauf sitzt die Gruppe mit einem Dankgebet zur Mittagspause zusammen. Über 40 Jahre Leben in zwei deutschen Staaten, das ist auch Thema in den Gesprächen.
Natürlich werden Emotionen wach, Erinnerungen an Verwandtenbesuche, Erfahrungen mit der Grenze in den getrennten Zeiten. Gleichzeitig ist Dankbarkeit spürbar, dieses Glücksgefühl, dass alles friedlich abgelaufen ist und dass wir uns heute frei zwischen den Bundesländern bewegen können.
Die Glocke und die Weltkugel mit dem Kreuz neben der Kapelle in Friedland sind ein Zeichen der Hoffnung.
„Pilgernd Grenzen überschreiten.“
Pilgerbegleiterin Gabriele Kassenbrock aus Göttingen hat ein großes Thema gewählt für die kleine Etappe von Friedland nach Arenshausen.
30 Jahre lang war die studierte Germanistin im kirchlichen Dienst. Als Geschäftsführerin des Literaturportals der EKD hat sie Büchereien in Kirchengemeinden beraten, hat mit interessanten Projekten versucht, Kinder für das Lesen zu begeistern und Bildung zu fördern. Bücher hat sie nicht nur gelesen, sondern sich auch gerne mit anderen im Gespräch darüber ausgetauscht. Es ist ein Gewinn, ihr zuzuhören.
Als in Loccum der erste Kurs für Pilgerbegleiter*innen angeboten wurde, hatte sich Gabriele Kassenbrock beworben und ließ sich mit 11 anderen Teilnehmenden
Pilgernd Grenzen überschreiten
ausbilden. Allesamt mit verschiedenen Begabungen und Beweggründen, in unterschiedlichen Lebenssituationen.
Menschen begegnen, zuhören und Lebenserfahrungen teilen, ist etwas sehr Wertvolles.
Miteinander schweigen erlebt Gabriele Kassenbrock als jemand, die gerne und gut erzählt, als einen wohltuenden Ausgleich. Beim Beten und Singen ist eine erstaunliche Offenheit in der Gruppe zu spüren. Auf dem Weg, an ausgewählten Orten, hat das alles einen neuen Klang und eine nur selten gespürte Tiefe.
Es ist etwas zu spüren von dem, was wir Segen nennen, unterwegs sein mit der Kraft und dem Geist dessen, der Himmel und Erde geschaffen hat!
Berührend ist die Anregung für die Teilnehmer*innen, sich unterwegs an einem markanten Ort selbst eine Karte zu schreiben, mit Eindrücken, die sie bewahren möchten, mit Erkenntnissen oder Gefühlen, an die sie sich später noch einmal erinnern wollen. Gabriele Kassenbrock sammelt die Karten ein und schickt sie vier Wochen später in einem Umschlag auf den Weg.
„Pilgernd Grenzen überschreiten.“ Das heißt auch: Bereit sein, sich auf etwas Neues einzulassen, neue Wege zu wagen, etwas Überholtes hinter sich zu lassen.
Am Ende des Pilgertages sagte jemand: „Dieser Tag war wie ein Kurzurlaub!“
Heidrun Kuhlmann
