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Klaas Grensemann, Referent Pilgern
Aus dem Alltäglichen kann bei ihm eine Predigt entstehen. Er hat die besondere Begabung, das Schwere leicht zu sagen, Nähe zu schaffen und biblische Geschichten so zu erzählen, dass sie mit dem Hier und Jetzt zu tun haben.
Eine Geschichte erzählt Diakon Klaas Grensemann mit großer Begeisterung und Freude: Mit Konfirmanden von Baltrum war er auf dem Ostfriesischen Pilgerweg von der Klosterruine Ihlow unterwegs in die Stadt Norden. Das sind 40 Kilometer. Die Frage, die ihn bewegte: Wie mache ich die geistliche Dimension des Pilgerns für Konfirmanden anschaulich?
Klaas Grensemann kann große Themen durch Gegenstände aus dem Alltag erschließen. So entwickelte er einen „Pilgerstab“, um das Geheimnis von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu verdeutlichen. Ein haptisches Symbol, etwas zum Anfassen, etwas, zu dem die Jugendlichen einen Zugang finden können. Da es auf der Insel Baltrum keinen Wald gibt, hat er vom Festland 20 Besenstile mitgenommen. Und jetzt wird es spannend: Jesus steht am unteren Teil des Stabes für die Erdung. Er berührt die Erde. Der obere Teil des Stabes, der zum Himmel zeigt, steht für Gott, den Vater. Er bietet Halt, auch auf dem Weg durch unsicheres Terrain. Und in der Mitte, zwischen Himmel und Erde, ist der Heilige Geist, diese lebendige Kraft, die alles verbindet!
Solche Geschichten mag Klaas Grensemann. Da ist er kreativ, hat einen Blick für Symbole und Bilder. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das ist ein Satz, der gut zu ihm passt.
Wahrscheinlich könnte er über alles predigen: über den Kreisverkehr, eine Klärgrube, die Sauerstoffmaske im Flugzeug, einen Akku und ein Gänseblümchen.
Diese besondere Begabung, seine Freundlichkeit und sein Charisma sind Menschen aufgefallen. Als 2013
Von der Kunst, dem Glauben
eine Gestalt zu geben
in Bursfelde eine halbe Stelle für das Haus und eine andere halbe Stelle für das Pilgern ausgeschrieben wurden, da wurde Klaas als Wunschkandidat ermutigt, sich zu bewerben. Das war eine überaus glückliche Fügung.
Klaas Grensemann ist bodenständig. Er hat das Herz am rechten Fleck. Und: Er ist Ostfriese! Der Tee in Bursfelde ist nicht mit dem in seiner Heimat zu vergleichen, aber das Kloster, die Atmosphäre im Haus, das Team, das geistliche Angebot und die Tagungsgäste schenken ihm die Gewissheit, dass er genau am richtigen Platz ist!
Nun leitet er Seminare im Haus und darf Pilgerbegleiter ausbilden und betreuen. Sie werden ausgestattet mit dem nötigen Knowhow: lernen miteinander zu reden, aufeinander zu hören, zu segnen, Bibelstellen, Impulse und Gebete vorzubereiten, mit kritischen Situationen umzugehen und in all den praktischen Dingen Bescheid zu wissen, die auf dem Weg wichtig werden können.
Als Ostfriese ist Klaas Grensemann großgeworden mit dem Satz; „Datt mutt ick erstmaal unner mien Footen kriegen!“ – „Das muss ich erstmal unter meine Füße kriegen!“ – Will sagen: Das muss ich erstmal einordnen, angehen, ausprobieren! Für Klaas ist das ein passendes Bild für das Pilgern. Damit der Glaube nicht nur im Kopf bleibt, sondern eine Gestalt gewinnt, ist es wichtig, ihn unterwegs, im Leben, so, wie es nun mal ist, zu üben, ihn in Gebrauch zu nehmen.
Es gibt Kraftorte, in denen der Geist Gottes in besonderer Weise zu spüren ist. Das Kloster Bursfelde ist solch ein Ort. Es gibt Menschen, in deren Gegenwart es leichter ist, einen Zugang zum Glauben zu bekommen. Klaas Grensemann ist solch ein Mensch.
Heidrun Kuhlmann
