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Paul-Gerhard Orzessek, Pilgerbegleiter
Wer als Kenner des Evangelischen Gesangbuchs auf Anhieb einen Fehler in der Überschrift entdeckt hat, der darf wissen: Hier geht es um den Pilgerbegleiter Paul-Gerhard Orzessek aus Kassel. Der hat allerdings tatsächlich seinen Vornamen nach dem berühmten Liederdichter Paul Gerhardt bekommen.
Paul-Gerhard ist auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda mit großer Begeisterung im Bereich Bursfelde unterwegs. Sorgfältig bereitet er die Pilgeretappe vor, gibt spirituelle Impulse, informiert sich über die Gegebenheiten am Wege und stimmt Lieder an.
Wenn Paul-Gerhard privat unterwegs ist, dann pilgert er am liebsten allein. Als Berufsschullehrer ist er permanent mit vielen Themen und Lebensgeschichten konfrontiert, mit Gewusel und lauten Geräuschen; daher ist für ihn das Alleinsein auf dem Weg eine gute Möglichkeit, zu sich selbst zu kommen oder einem Burnout vorzubeugen.
Wer zum Pilgern aufbricht, stellt sich eventuell die Frage: „Welcher Typ bin ich? Möchte ich allein oder in der Gruppe unterwegs sein?“
Die Gruppe gibt Halt und Geborgenheit, bietet Gesprächspartner und kleine Hilfestellungen, die auf dem Weg wichtig sein können.
Das Alleinsein bietet die Chance, endlich einmal die Ruhe zu genießen, das eigene Tempo zu bestimmen und den Weg individuell zu gestalten.
Paul-Gerhard muss als Lehrer viel reden, reagieren und präsent sein. Als Ausgleich gönnt er sich am frühen Morgen eine Zeit der Stille, um Kraft zu holen für den
Mit Paul-Gerhard unterwegs
Tag. Am Abend blickt er zurück auf den Tag und reflektiert, was gelungen und was offengeblieben ist. Diese Zeit zum Lesen in der Bibel und zum Gebet ist das Fundament seines lebendigen Glaubens – und des Wunsches, dem Glauben eine Gestalt zu geben: in der Schule, im privaten Umfeld und in der Gemeinde. In Hauskreisen und Kinoangeboten, im Trauercafé und beim „Frühstück für Helden“ gibt es „niedrigschwellige“ Angebote, die das Herz der Menschen ansprechen, nicht nur den Intellekt.
Als Pilgerbegleiter bietet er ein großes Thema von seinem Namensverwandten Paul Gerhardt an. Es geht um das wohl beliebteste Sommerlied der evangelischen Kirche: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“ (EG 503)
Geh aus, bleib nicht zu Haus auf dem Sofa. Begib dich auf die Suche nach dem, was dich lebendig sein lässt. Nimm wahr, was grünt und blüht, das Wunder des Lebens vom großen Universum bis zu den Billiarden Zellen deines Körpers. Such die Freude, nimm wahr, wo sie sich versteckt hat. Such in den schlechten Nachrichten die guten und jeden Abend mindestens drei Sachen, für die du dankbar bist.
Paul Gerhardt hat das Lied im 30-jährigen Krieg geschrieben und große Traurigkeit erlebt.
Aus welcher Kraft hat er geschöpft? „Geh aus, mein Herz und suche Freud!“ Das ist ein wunderbares Thema für eine Pilgergruppe, die mit Paul-Gerhard Orzessek unterwegs ist. Die Gedanken werden frei. „Egal, was ist, egal, wo du hinkommst: Gott ist längst da!“ Der Segen zum Abschluss tut den Pilgern gut. Nicht wenige haben etwas gespürt von der Freude und der Lebendigkeit des Glaubens.
Heidrun Kuhlman
